Montag, 13. April 2009

Auf der Suche nach einer neuen Identität

"Der Blog" ist auf der Suche nach einer neuen Identität.

Es bleibt philosophisch. Allerdings ich reise nicht mehr. Daher ohne den direkten Bezug auf meine Reisen. Aber bekanntlich finden ja die größten Reisen im Kopf statt und ich les immer wieder mal Bücher und da werde ich meine Gedanken zum Gelesenen mit Zeitgeist und Aktuellem in Verbindung stellen.

In jedem Fall sollen die Blog-Einträge kürzer werden (von vielen gewünscht). Anregungen sind sehr willkommen.

Das Gleichnis vom gekochten Frosch

Ein Gleichnis: Taucht man einen Frosch in einen Topf mit heißem Wasser, so versucht er sofort das Gefäß zu verlassen. Setzt man ihn jedoch in kaltes Wasser, welches nur langsam erhitzt wird, so läßt sich das Tier zu Tode kochen, ohne daß es sich besonders dagegen wehren würde.

Wer könnte ein solcher Frosch in der realen Welt sein? Der kleinen Aktionäre? Ein Manager der Autokonzerne in Amerika? Ein Wähler der Regierungen die die Staatsverschuldungen (in Europa, Amerika) nicht in den Griff bekommen (wollen, weil sie Wählerverluste befürchten)? Ein Arbeiter in einer sich mehr und mehr globalisierenden Welt (des Standortwettkampfes und der deflationären Löhne)? Ein Bauern in einer globalen Marktwirtschaft? Ein Konsument der sich von den Marketingstrategen zu noch mehr Konsum und damit zum von allen erhofften Wirtschaftswachstum antreiben lässt? Oder könnt ein solcher Frosch dann doch ein Marketingstratege selbst sein, der in einem nicht mehr ausgeglichenen System auch mit noch so ausgeklügelten Systemen seinen Umsätze nicht mehr erhöht? Vielleicht sind wir auch alle Frösche, die sich von der endlichen Ressource Erdöl abhängig gemacht haben?

Wenn man doch nur wüsste wann das Wasser zu heiß wird. Die Hoffnung stirbt zuletzt - das Kollektiv der Menschen könnte es schaffen aus dem Wasser zu steigen, wir sind ja keine Frösche! Die Frage ist wohl noch immer - wann ist es nicht mehr lustig warm, sondern einfach zu heiß. Und die wirklich entscheidende Frage ist auch - sitzt du oder sitz ich oder sitzen gar wir alle in so einem Topf Wasser?

Samstag, 7. März 2009

Österreich vom Tellerrand oder von Außerhalb

Ja gerne bin ich aus Österreich und auch gerne bin ich wieder in Österreich. Ein interessantes, reiches Land, in mitten vieler anderer interessanter Länder. Ohne Frage. Es gibt viele nette Leute, und hier ist der einzige Ort auf dieser großen, weiten Welt wo ich nicht Ausländer bin, wo ich kein Fremder bin. Das Gefühl unter vielen anderen "Gleichartigen" zu sein, die alle die gleiche Sprache sprechen und die gleiche Landesgeschichte teilen ist etwas dass ich nicht missen möchte. Ich denke kaum jemand will das missen. Fremde, die in Österreich wurzeln schlagen wollen haben mit großer Sicherheit gute Gründe für den Rest ihres Lebens dieses Gefühl des "Nicht-Fremd-Seins" aufzugeben.

Fast sieben Monate war ich somit durchgehend im Ausland, war ich Ausländer. Schön wars oft, anstrengend wars oft. Oft war ich allein, vielleicht noch öfter wünschte ich allein zu sein. Manchmal war ich (fast) jede Zivilisationsform fern, in Bergen oder in Wüsten, auf einsamen Inseln, auf dem Meer. Andermals war ich inmitten von unbeschreiblich viel Zivilisation. Die Erinnerungen bleiben. Was bleibt sonst noch? Warum fahren Menschen so lange und so weit fort? Es gibt hier wohl nicht die Schublade für die Reisenden, in die alle "hineingelegt" werden können. So viele andere Reisende hab ich getroffen, unglaubliche, spannende, rührende, naive, stressige Geschichten gehört.

Der Vorteil einer längeren Reise ist, dass man ein Land einfach ein wenig näher kennen lernen kann, eine gewisse Tiefe auch möglich ist, abseits vom touristischen Treiben auch ein wenig was vom wirklichen Land das man bereist zu sehen. Viele Reisende scheinen ja einen Fotoshooting-Trip anhand ihres Reiseführers zu betreiben. Welchen tieferen Sinn so eine Reise haben könnte hat sich meiner Wahrnehmung bis jetzt noch entzogen. Aber die meisten Touristen sind der Beweis: Es braucht keinen tieferen Sinn für eine Reise!

Vorteile hat eine lange Reise viele. Desto länger ich unterwegs bin, desto weniger Ansprüche lege auf Transportmittel und Unterkünfte. Man könnte auch sagen, desto zufriedener werde ich mit allem was zu einer Reise gehört. Und dazu gehören auch Verspätungen von Bussen, von Zügen oder Flugzeugen. Dazu gehört auch nicht immer im perfekten Nobelhotel unter zukommen. Und es gibt auch Tage, da findet man einfach nichts ordentliches (für einen westeuropäischen Gaumen) zum Essen. Dann gibts halt mal nichts.

Irgendwann nach ein paar Monaten auf Reisen fällt dann meist auch die "Schallmauer" des etwas versäumen könnens. Ist man nur ein paar Wochen "im Urlaub" begeht man oft den aus meiner Sicht fatalen Fehler alles sehen zu wollen, also nichts versäumen zu wollen. Nach einigen Monaten "on the road" kommt bei den meisten Menschen die Einsicht (es gibt hartnäckige Fälle!), man kann sowieso nicht alles sehen und es ist besser einen Ort näher und intensiver kennen zu lernen. Reisende die jeden Tag weiter ziehen haben am Ende ihrer Reise oft nur viele Fotos (Gesellschaftsphänomen, Zeitgeist: Quantität vor Qualität). Auch mir gehts so. Erst wenn ich länger wo bin, wenn ich wo wirklich ankomme, kann ich dann nach der Reise noch behaupten ich erinnere mich an den Ort, ich kann die Augen zumachen und sehe noch einmal wie es dort war, ich erinnere mich an Personen, an Vorfälle, Gespräche, Besichtigungen. Und wenn ich Fotos mache, werden auch die Fotos mit den Tagen besser, weil man draufkommt wann das Licht am Besten ist, weil man einen schönen Platz ein zweites Mal bei besserem Licht besichtigt oder weil man einfach in Ruhe durch die Landschaft streunt und das perfekte Foto sich vor einem Auftut.

Eine lange Reise hat auch einen sehr interessanten Nebeneffekt. Nämlich die Abwesenheit vom Mutterland, von Österreich. Die Rückkehr lässt einen wieder einen Blick werfen auf dieses reiche Land, der einem verwahrt bleibt, ohne diese Distanz.

Zwei mal hab ich mich schon ein Jahr von Österreich ferngehalten, dieses mal sinds nur sieben Monate. Aber ich spüre es wieder. Dieses Kribbeln wenn ich das erste mal wieder in Österreich wo zahle, wenn ich wieder in einem österreichischen Kaffeehaus stehe oder mit Herr und Frau Österreicher, also mit Bekannten, Freunden oder Fremden über ihre Ansichten spreche.

Vieles fällt wieder auf, was sonst so selbstverständlich ist. Das hohe Bildungsniveau in Österreich fällt auf, überall wird man, Mancherorts vielleicht ein wenig mürrisch, aber doch sehr professionell bedient. Die Straßen sind mit Ausnahmen sehr sauber, die Menschen sehr ordnungsliebend. Bahnhöfe, öffentliche Plätze und Straßen wirken oft sehr verlassen, menschenleer. Überhaupt, vor allem verglichen mit Asien, scheint hier in Österreich oft nicht wirklich der Bär los zu sein. Auf den Straßen fahren sehr neue, oder zumindest gut erhaltene Autos, die Straßen und überhaupt die Infrastruktur ist verglichen mit vielen anderen Ländern sehr gut, in vielerlei Hinsicht scheint alles ein wenig überdimensioniert. Der öffentliche Verkehr ist benutzbar - im Gegensatz zu zum Beispiel Neuseeland.

Die Menschen, und das fällt wirklich erst auf, wenn man sich selbst wieder ein wenig rausgenommen hat, wenn man selbst wieder ein wenig vom Tellerrand in den Teller blickt auf, sind sehr österreichisch.

Das Thema Nummer eins in Österreich scheint noch immer das Wetter zu sein. Und das ist immer zumindest so, dass man es als "schlecht" bezeichnen kann. Sogar die Wetterfrau in ORF 2 hat das am Tag Nummer 2 meiner Rückkehr zustande gebracht. Ihre Aussage in etwa "Das Wetter in den nächsten Tagen bleibt schlecht, vereinzelt wird die Sonne ihren Weg durch die Wolken finden". Aber der Ausdruck "schlechtes Wetter" scheint schon so in dieser Sprache verankert. Ich zum Beispiel mag es gern wenn es nebelig und regnerisch ist. Für mich ist das durchaus "gutes Wetter". Aber Frau und Herr Österreicher bezeichnen solches Wetter sowie auch die Wettergurus in ORF 2 als "schlechtes Wetter".

Solcher Art "gejammere" finde ich mit meinem "sensiblen Gehör vom Tellerand" sehr oft, aber es wird schon wieder leiser. Ein paar Wochen noch und ich bin wieder voll und ganz Österreicher. Heute durfte ich auch einen Blick in die Kampfschrift "Krone" werfen. Hier gibts die Infos über alles was den Österreicher bekümmert. Autounfälle, Kündigungswellen, Wetterkapriolen, Proporz. Das Jammer ist in Österreich ein Volkssport, und es scheint wirklich so, der Österreicher ist vom Unglück besessen. Österreicher jammern auf hohem Niveau!

Thomas Bernhard (Heldenplatz, 19988) hat das bestens beschrieben:
"Die Österreicher sind vom Unglück Besessene
der Österreicher ist von Natur aus unglücklich
und ist er einmal glücklich schämt er sich dessen
und versteckt sein Glück in seiner Verzweiflung"

Überall höre ich es, manchmal leise, manchmal lauter. Beim Zugfahren sind sowieso alle unzufrieden, in Gasthäusern, beim Bäcker, es wird darüber gejammert dass man nicht mehr Rauchen darf, dass hier noch geraucht wird, dass der Zug nicht direkt geht und man umsteigen muss, ...

Gejammert auf höchstem Niveau wird auch im Parlament. Einige Tage nach meiner Rückkehr habe ich durch Zufall die Sondersitzung zum "Asylmissbrauch" in Österreich live im ORF mitverfolgen. Das Österreichische Parlament galt in der Zweiten Republik ja von Anfang als "Quatschbude" (Robert Menasse, Das war die Zweite Republik, in: Erklär mir Österreich, Frankfurt a.M., 2000). Quatschbude als Synonym für Parlament ist dabei ein Begriff des politischen Totalitarismus. Ich fragte mich "was wollen die" in dieser "Quatschbude". Was ist das? Kabarett oder Kasperltheater? Leider beides nicht. In düsterer Atmosphäre (wie kann man an einem solchen Ort, in solch einem Raum von Menschen verlangen konstruktiv zusammenzuarbeiten?) werden hier Meinungen in den Raum geworfen. Kaum jemand hört wirklich zu, es gibt keine Diskussionskultur. Es wird nur wild dazwischen gerufen, das ganze wirkt eher wie eine Stammtischrunde von Verlieren, "Hintenangekommenen". Es scheint in keine Art und Weise um Lösungen zu gehen, das Konstruktive ist zumindest in dieser Sitzung des Parlaments nicht angekommen. Es wird keine Hoffnung geboren, es wird Hass gepredigt. Es werden keine Lösungen gesucht sondern es werden Probleme aufgezählt. Es wird nicht versucht zu integrieren, sondern es werden Gräben ausgehoben und Fronten geschaffen. Befindet sich dieses Österreich auf dem Weg in die Zukunft oder sucht es einen Weg zurück in die Vergangenheit?

Zwei Wochen bin ich jetzt schon wieder in Österreich. Parlamentssitzungen, Zugfahren, Einkäufe, Behördengänge. Das "normale" Leben folgt wieder dem Reisen. Viele Erinnerungen bleiben, einiges muss ich noch aufarbeiten, Fotos und Eindrücke sortieren.

Die Frage "Wo hat es dir am Besten gefallen" wurde mir seit meiner Rückkehr von verschiedensten Seiten gestellt. Die Frage kann und will ich nicht beantworten. Wie auch. So lange ich frei bin (in dem was ich tue, was ich sage und was ich denke) genug zum Essen habe, solange ich mir ein Dach über dem Kopf leisten kann und der Ort, das Umfeld sozial sicher ist, solange das alles der Fall ist, gefällt es mir überall! Vielleicht gilt auch, solange ich "streunen" kann, solange bin ich glücklich, solange gefällt es mir am Besten! (Das Lebensgefühl des "Streunes", wie ich es meine, wie es mir gefällt, wird bestens beschrieben in dem Roman "Laßt die Bären los" von John Irving, 1968)

Thailand

Über Thailand hab ich nicht viel zu schreiben. Kulturschock in Bangkok, vor allem weil nach 6 Jahren alles anders ist / war. Im Norden Rückzug in ein Bergdorf, spannend, aber ohne Geschichten hier und natürlich viel zu kurz um wirklich hinter die Kulissen eines Bergdorfes zu blicken. Aber eine Schwedin die schon 3 Jahre dort lebt hat mir ein wenig Einblick gegeben. Als Bonus durfte ich auch mithelfen beim Bau eines Lehmhauses. Ich bekam das Zeugnis "He has a natural talent dealing with mud".
Im Süden trat ich den Rückzug vom Massentourismus auf ein Tauchschiff an, touristisch erträglicher als die pauschalurlauberversäuchten Strände und vor allem viel Tauchen. Ein Monat Thailand mit nur 3 Stationen. Das ist eine gute Geschwindigkeit zum Reisen. Mit Bangkok hab ich mich am Schluss noch versöhnt. Es gibt noch viele Orte wo der Massentourismus nicht eingezogen ist, das ist beruhigend.

Freitag, 6. Februar 2009

Willsein.com ist wieder online

Braucht die Welt diesen Blog? Diese Frage stellte ich mir und vor zwei Wochen habe ich den Blog daher deaktiviert. Ich denke die Welt braucht weder diesen Blog noch viele andere Blogs, noch braucht die Welt viele der News die man täglich in den Zeitungen liest oder viele der Bücher die so rauskommen tagtäglich. Die Welt ist satt und doch ist sie nicht satt. Doch ist es so, dass sich etwas verändert. Leg jemanden die Zeitung von vor zwei Jahren auf den Frühstückstisch. Liest er nur das tägliche gesudere, so wird er den Fehler nicht bemerken. Autounfälle, Wirtschaft abwärts oder aufwärts, Prognosen wanns wieder Aufwärts geht (niemals abwärts), das Wetter ist sowieso immer schlecht und so weiter. Aber die Stimmung, sozusagen der Zeitgeist ändert sich. Das merkt unser Frühstückszeitungsleser unter Umständen wenn er Meinungen liest, wenn er das Layout der Zeitung ansieht, wenn er weltpolitische Zusammenhänge zu verstehen versucht.

Die Stimmung ist auch hier in dem Land (Thailand) in dem ich gerade Reise heute anders als vor 6 Jahren. Zumindest dort wo der Tourismus jetzt voll eingezogen ist, vielleicht auch dort, wo der grosse Reichtum auch mit dem Tourismus ausgeblieben ist, dort wo die Hoffnung verschwunden ist und übergegangen ist in die tägliche Wiederholung des Gleichen. Unzufriedene und zufriedene Touristen, viele die geizig sind und sich hier in Thailand einen billigen Urlaub machen wollen, viele die die Streiterei um Vieles, vieles Unnütze vor allem, aus Europa, Amerika oder sonst wo hierher bringen und das Haar in der Suppe suchen. Vielleicht ist es auch die politische Stimmung, die ihren Ursprung auch in etwas hat, das ich hier nicht kannte - Neid zwischen dem Norden und dem Süden, zwischen dem "reich" gewordenen Teil und dem Teil, der noch immer wirtschaftlich "unterentwickelt" ist. Es ist oft das gleiche Gift, egal ob das Land Belgien, die Region EU, oder ob es die Gesellschaft an sich ist, Reich will immer reicher werden, während Arm arm bleiben darf, wenns nicht anders geht, auch Ärmer.

Neuseeland hab ich mit dem Gefühl verlassen, es ist genug. Teils weil die Gesellschaft amerikanisch ist, Teils weil dort alles aufs Auto ausgelegt ist, was einfach nicht meins ist, Teils weil ich dort zu wenig Kultur finde. In Thailand angekommen hab ich gewusst, es ist nicht notwendig so weit zu fahren/fliegen. Asien, hier fühl ich mich viel wohler. Hier kann man mit dem Bus fahren, hier ist vieles einfacher, vieles hat die notwendige Schwere, vielleicht die richtige Würze. In der letzten Woche war ich an der Grenze zu Burma/Laos, hab in einem Bergdorf mit Einheimischen gelebt und hab mich dort sehr wohl gefühlt. Hatte auch das Glück eine Norwegerin zu treffen, die schon Jahre in den Dorf gelebt hat und mit ihr zusammen konnte ich auch ein wenig mit den Einheimischen sprechen, die ja nicht Englisch sondern Akha, also auch nicht Thai, sprechen.

Somit hab ich auch in diese Reise wieder mehr Ruhe gebracht. Gerne wäre ich noch länger im Bergdorf geblieben, aber die Zeit drängt, ich will nach Hause und ein wenig Tauchen muss noch sein. Daher sitz ich jetzt gerade am Flughafen, denk zurück an die schöne Zeit im Bergdorf, sehe den Touris zu wie sie hektisch oder auch nicht hektisch von Ort zu Ort hetzen um möglichst viele Fotos und Geschichten wie "das Essen war so gut", "es war so billig", "es war so warm und bei Euch ists so kalt" wieder nach Hause zu bringen.

Diese Reise geht damit dem Ende zu, noch zwei Wochen Tauchen in Khao Lak im Süden Thailands. Freue mich aufs Tauchen, hab allerdings ein mullmiges Gefühl in die Tourihochburgen des Südens aufzubrechen. Aber am Ende des Tages bin ich genauso ein Touri wie alle anderen hier, halt einer der über die anderen Touris jammert und hin und wieder auch über den vielen Verkehr, die chaotischen Städte, den Lärm, ...

Mittwoch, 21. Januar 2009

die unertraegliche Leichtigkeit des Seins

Die letzten Stunden in Auckland. Es heisst Abschied nehmen von einem sehr schoenen Land, einer sehr schoenen Zeit. Aber der Abschied faellt doch leichter, also von anderen Laendern. Neuseeland ist halt einfach "nur" schoen, es fast unertraeglich "leicht" hier, die schwere fehlt. Eine Freundin hat mal gesagt Neuseeland sei "fluffy" - ein englisches Wort fuer etwas, dass einfach immer nur nett ist und ueberall wo man hinsieht es einfach schoen ist.

Heute frueh bin ich mit dem Bus gefahren, der Busfahrer hat mich hoeflich gegruest, alle die ausstiegen sagten hoeflich "thank you driver, goodbye", sogar die Jugendlichen.

Aber es fehlt die Schwere. Das beschwerliche, es fehlt in gewisser Hinsicht auch die Kultur, vielleicht fehlt mir hier sogar das oft unfreundliche gemurre der Oesterreicher oder anderer Nationalitaeten. Ich weis es nicht, aber vom Gefuehl her weis ich, Neuseeland hat ein Hackerl bekommen. Irgendwas hat mich immer hierher getrieben und jetzt hab ichs gesehen.

Auch in China hab ich einige kennengelernt, die in Neuseeland studiert haben, aber alle sind wieder zurueck. Obwohl es dort oft unfreundlich ist, dreckig, es keine Sicherheiten gibt, die Regierung die Menschenrechte untergraebt. Aber trotzdem, das gilt auch fuer mich, irgendetwas ist dort, das hier nicht ist. Vielleicht ist es die Schwere im Leben, die hier abgeht und die auch ich brauche. Vielleicht ist es aber auch einfach die Kultur, das gute Essen auf der Strasse, das Andere an jeder Ecke oder einfach das "echte" Reisen und nicht die taegliche Flucht vor den fertigen Touren die man nur Buchen muss, der deutschen Sprache in den Hostels und den vielen Fotomoeglichkeiten die schon 100mal vorgekaut im Reisefuehrer stehen und dann eben doch nur vorvertaute Reste dessen sind, was andere sahen.

Moechte hier aber nicht schimpfen, es gibt hier auch vieles zu Entdecken, vieles was nicht im Reisefuehrer steht, vieles was abseits der Highlights liegt, die einfachen Sachen sind hier die schoensten. Das einfache Leben. Einfach mit dem Auto durch die Landschaft zu fahren, das Zelt an einem Ort auszupacken wo es schoen ist, eine Nacht an einem Bach zu verbringen, einen Kaffee an einem Fluss zu kochen, Tiere zu beobachen und sich dabei Zeit lassen, die vielen verschiedenen Voegel zu hoeren und zu sehen, tagelang durch Urwaelder zu gehen, in Wellen unterzutauchen oder auf ihnen zu Reiten. Ja, es ist schon schoen hier. Keine Frage!

Es geht morgen frueh wieder zurueck nach Asien. Hab mich heute von allem Ballast entlaedigt, ein Paket ist auf dem Weg nach Oesterreich, einige Dinge sind im Muell gelandet, das Auto hab ich wieder beim Vermieter abgegeben. Die Reise geht weiter - mit nur einem Rucksack mit ca. 10 Kilo, so leicht wie noch nie bisher auf dieser Reise. Aber es geht ja in die Tropen und keine Wander- oder Campingausruestung ist mehr notwendig. Danach soll es ja auch Heimgehen.

Wo es morgen frueh wirklich genau hingeht weis ich noch nicht. Sehr wahrscheinlich werde ich bis nach Bangkok durchfliegen, aber ganz klar ist das noch nicht. Uberleg noch immer in Brunei aus dem Flieger zu steigen und auf dem Landweg ueber Malaysia hochzufahren. Aber bin mir nicht sicher ob ich beim einchecken morgen einfach sagen kann ich moecht dann nicht mehr nach Hong Kong hochfliegen und auch ist das mit den Visas nicht ganz klar. Mein Reisepass ist auch nur noch 6 Monate gueltig, aber es gibt noch zwei leere Seiten, womit Visas noch moeglich waeren. Mal sehen ob ich schon bald in der Gewahr irgeneiner Fremdenpolizei lande.

Somit tausche ich die Leichtigkeit des Seins in Neuseeland gegen die eines "kleinen" Abenteuers.

mehr Fotos aus Neuseeland

Neuseeland2